Permanentausstellung

palazzo Orgnani Martina - via Mistruzzi n. 4/9
33010 Venzone (UD)

 

ÖFFNUNGSZEIT
Freitag : 15 - 19

Samstag und Sonntag : 9 - 13 / 15 - 19

 

EINTRITTSKARTE
Erwachsene : 5 euro / Ermäßigt : 4 euro / Schulklassen : 3 euro

Ein Sommer des Lebens
und der Hoffnung

Der Sommer 1976 ist eine extrem schwierige Jahreszeit.

foto Mauro Galligani

Die erdbebengeschädigte Bevölkerung ist gezwungen in Zelten zu leben. Das Militär stellt 17.782 Zelte auf, die insgesamt 116.000 Schlafplätze bieten. Sie kommen von überall her: Auch vom Islamischen Halbmond (der dem Roten Kreuz gleich kommt) und aus den osteuropäischen Ländern. Die Solidarität von privaten und öffentlichen Stellen versorgt das Friaul mit über 5.200 Wohnwagen, die insgesamt 15.000 Menschen Platz bieten. 170 Eisenbahnwagons vervollständigen die provisorischen Unterkünfte.

In den Dörfern gehen Legenden, Aberglauben und Falschmeldungen um, die oftmals unbegründete Panik schaffen. Doch im Sommer 1976 regiert Rationalität anstelle von Emotionen und Ängsten. Die lokale Presse leistet eine wertvolle Informationsarbeit und berichtet präzise über das, was im Erdbebengebiet vor sich geht. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Spezialisten spielt sie auch eine wichtige Rolle bei der wirksamen Verbreitung von wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen. So erfahren alle von den Maßnahmen, welche die Regierung und die Region getroffen haben, dem Stand der Hilfsaktionen und des Wiederaufbaus, der langsam Gestalt annimmt. Die Bevölkerung verfügt über die Sachkenntnis, um an der Auseinandersetzung und der Debatte mit den Administratoren teilnehmen zu können. Groß ist die Tatkraft, der Wunsch alles wieder aufzubauen und zur Normalität zurückzukehren, trotz des Schmerzes und trotz der unendlichen Schwierigkeiten. Mit den Zuschüssen des Regionalgesetzes Nr. 17 vom 7. Juni 1976 werden die Schäden an den Häusern repariert. Unzählige Arbeiter eilen in die Fabriken, um Trümmer wegzuräumen, nach erhaltenen Rohstoffen zu suchen, die Produktionsanlagen zu bergen und zu reparieren. Schon Anfang Juni nehmen einige Fabriken ihre Arbeit wieder auf.

Der Geist des “fasìn di bessoi”, das heißt des Selbermachens, führt zur Schaffung einer ausgedehnten sozialen Basisorganisation, die in der Lage ist, grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen. Die Beteiligung der Bevölkerung ist spontan und direkt, denn sie entsteht aus dem Willen, es zu schaffen. Auch die primären Anforderungen werden von der Bevölkerung selbst in Angriff genommen. Die sozialen und institutionellen Strukturen, die ebenfalls von dem Erdbeben in die Knie gezwungen wurden, haben Mühe alle Bedürfnisse sofort zu erfüllen. Es ist auch der Augenblick, um mit Nachdruck das Recht auf eine rasche Antwort auf die dringendsten Bedürfnisse einzufordern. Die Zeltstädte organisieren sich, festigen die lokalen Gemeinden, überwachen das Gebiet. Dieser Wille wird sehr bald in das Bedürfnis nach Teilnahme an den Entscheidungen der Behörden umgesetzt. Von Gemona aus, wo schon zwölf Tage nach dem Erdbeben das “Bulletin der Koordinierung der Zeltstädte” herausgegeben wurde, breitet sich die Bewegung bis in die angrenzenden Gemeinden aus. Die “Koordinierung der erdbebengeschädigten Gemeinden” entsteht. Die Bewegung gewinnt dank des Beitritts von Verbänden, Komitees und spontanen Gruppierungen an Intensität. Die Behörden nehmen davon Kenntnis, dass die Lösung der Probleme den Beweis einer großen Demokratie fordern wird.

Das Zeltvolk setzt sich durch.

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Associazione Comuni Terremotati e Sindaci della Ricostruzione del Friuli